Schildergasse 32-34
kinematographischer Standort 1897-1929
ZurückChronik des Apollo-Theaters
1894 Gründung unter Anton Lölgen
Anton Lölgen stammte aus einer alten Kölner Brauer-Dynastie. Kurz nach dem Tod seines Vaters Johann Adam Lölgen 1879 übernahm Anton Lölgen dessen Bierbrauerei mit Restauration in der Johannisstraße 2. 1884 mietete Lölgen das Haus Schildergasse 34, in dem sich bis dahin das Modehaus Gebrüder Löwenstein befunden hatte, und eröffnet dort 1885 nach baulichen Umgestaltungen seine Bierbrauerei Lölgen, die infolge zum Restaurant Lölgen erweitert. 1886 läßt er das Restaurant mit elektrischer Beleuchtung ausstatten, unter der Direktion von Kapellmeister Wilhelm Odendahl finden regelmäßig Konzerte im angrenzenden Garten oder bei Regen im Saal statt. Im Oktober 1887 gibt Lölgen die Brauerei aufgrund des hohen Besucheraufkommens in seiner Restauration auf. Er bezieht sein Bier von der Hitdorfer Aktien Brauerei. Durch den Wegfall der Brauereiutensilien schafft er Raum für 600 Personen. Er führt sein Lokal ab dann unter dem Namen Kölner Concert-Haus. Kapellmeister Odendahls Kapelle wächst nach und nach auf 23 Personen an. In den nächsten Jahren engagiert Lölgen Gastkapellen und Gesangskünstler aller Genres, mehr und mehr Varieté Truppen und Künstler treten im Kölner Concert-Haus auf, es wird zu einem sogenannten Spezialitäten-Theater. Ende 1894 läßt richtet Lölgen einen vollausgestatteten Theatersaal ein und nennt das Concert-Haus nun Apollo-Theater. Kapellmeister Ludwig Zingel ist nun für die Konzerte zuständig.
1897 Erste Auftritte mobiler Kinematographen
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
1897 erhält auch im Apollo-Theater wie die meisten anderen Vergnügungsstätten der durch Stollwerck in Köln eingeführte Kinematograph seinen Platz als Einlage zwischen den Varieté Nummern bzw. als Abschlußnummer. Der von Lölgen gebuchte Operateur führte laut der Werbeannoncen aus dieser Zeit einem von Oskar Meßter konstruierten und patentierten Projektor vor. Oskar Meßters Name wird in den Werbeannoncen für das Apollo meist (nicht immer) auf alle erdenkliche Arten (Mester, Meester) falsch geschrieben. Kinetograph war der Name des von Edison konstruierten Projektors, Meßters damals aktueller Apparat hieß Kosmograph.
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Bis ca. 1903 führt Lölgen das Apollo-Theater. Er hat sich vom Brauer komplett zum Vergnügungsstätten- und Theaterleiter gewandelt. Diese Wandlung schlug sich auch in seinen technischen Begabungen nieder. Lölgen hielt Patente für eine Malzdarre (1888) sowie einer Spielzeitkontrolleinrichtung für Billards (1902) 1. Lölgen verzog danach nach Hannover und übernahm später die Leitung des Mellini-Theaters2.
1904-1910 Variete und Cabaret unter Max Schetena
Ca. 1904 übernimmt Max Schetena die Direktion des Apollo Theaters. Unter ihm treten mehr und mehr die damals populären Komiker auf. Vorführungen mit Kinematographen verschiedener Hersteller sind weiterhin fester Bestandteil des Programms.
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Im Jahr 1909 stellt sich das Apollo-Theater, sicher beeinflußt durch die Konkurrenz der ab 1906 in Köln neu entstandenen Kinematographen erstmalig als reine Lichtbildbühne vor. Kinopächter ist Heinrich Hagen. Hauptsächlich wurden jetzt die von Meßter patentierten Tonbilder auf von Meßter konstruierten Apparaten gezeigt. Die stummen Filme werden von der Hauskapelle unter Musikdirektor H. Blenjes begleitet.
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Danach sind die Geschäftsmodelle und Schetenas Rolle unklar. Häufig begleitet und präsentiert er Gesangstruppen und Operettenensembles als musikalischer Direktor auf ihren Tourneen außerhalb Kölns. Bereits 1910 gerät er in finanzielle Schwierigkeiten und die für das Apollo-Theater genutzten Häuser Schildergasse 32,34 und Perlenpfuhl stehen mehrfach kurz vor der Zwangsversteigerung. Noch 1911 führt Grevens Adressbuch Schetena als Eigentümer und Betreiber einer American Bar in der Schildergasse 32, laut Handelsregister ist er Geschäftsführer der Cabaret chat noir GmbH, die unter eben diesem Namen ein Cabaret nach Pariser bzw. Berliner Vorbild in der Schildergasse 34 führte3. Da kommen Schwartz und Mülleneisen die für ihr Großprojekt Dekage reihenweise Theater aufkaufen und sie in Kinos umwandeln gerade recht. Schetena verkauft den beiden das Apollo und wurde 1913 kurzzeitig Geschäftsführer des Vergnügungs-Etablissements Simplicissimus. 1912 nennt Grevens Adressbuch eine Frau namens Kamps als Eigentümerin der damals populären American Bar in Haus 32.
1911-1912 Schwartz und Mülleneisen
Bernhard Schwartz und Christoph Mülleneisen Sr. lassen sich nicht lumpen. Mit Monster-Werbung für die Außenfassade und den Eingangsbereich kündigen sie die Neueröffnung der Apollo-Lichtspiele an. Die Anzeige nennt die am Umbau und beteiligten Firmen mit Namen und Adressen Firma Carl Josef Schöler & Söhne Auch die erwähnte feenhafte Beleuchtung, noch in der Tradition der Feeries, waren üblich für damalige Kinosäle. Die Dekage setzt Heinrich Stüttgen als Geschäftsführer ein.
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1913 - Monopolkämpfe
Um 1913 führt Paul Bruck die Apollo Lichtspiele.
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1914-1918 - Zurück zum Theaterbetrieb
Während des 1.Weltkriegs ist der Kinobetrieb im Apollo-Lichtspielhaus eingestellt. Zuerst zieht das Kleine Theater in die Räume ein, danach folgt Hermann Jobs Volksbühne und sein Restaurant Jobsiade. Die Vorführtechnik blieb vermutlich in Vorführraum und Saal erhalten.
1919-1929 - Apollo Lichtspiele Sahler und Hünnes
Nach Ende des 1.Weltkriegs wurde der Kinobetrieb ausschließlich Sonntags mit Erlaubnis der britischen Behörde wieder aufgenommen (als Apollo-Lichtspiele). Betreiber waren Wilhelm Hünnes und Carl Sahler, ab ca. 1929 Dr.Lommerzheim. Kurzzeitig gab es eine Art Ko-Existenz mit dem in Haus 32 residierenden Kino-Porträt-Atelier, das wohl eine Art Daumenkino von Porträtierten herausbrachte. (Der Film in der Westentasche). Leider konnte sich dieses Kuriosum nicht halten. Die Firma sattelte komplett um, aus ihr entstand später die noch heute existierende Firma Cyklop.
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
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Das Kino-Porträt-Atelier warb auch in der britischen Besatzungszeitung The Cologne Post.
Nach dem Ende des 1.Weltkriegs begann ein neuer Kulturkampf zwischen den Vergnügungsbetrieben, zu denen auch die Kinematographen zählten und katholisch-konservative Kreisen.
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
Vermutlich lohnte sich die aufgrund des Klangfilm-Monopols kostspielige Aufrüstung auf Lichttonbetrieb nicht mehr. Dr. Lommerzheim beklagte auch die hohe Vergnügungssteuer (Billetsteuer). 1930 wurden die noch immer im Eigentum von Hünnes befindlichen Häuser zwangsversteigert und nicht mehr als Kino genutzt.
Kinotechnik
Am Anfang Wander-Operateure mit Apparaten von Messter und Duskes, später stationäre Krupp-Ernemann I. Projektoren.
Quellen:
1 https://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/depatisnet?action=pdf&docid=DE000000134852A&xxxfull=1,
https://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/depatisnet?action=pdf&docid=DE000000045521A&xxxfull=1
2 https://de.wikipedia.org/wiki/Mellini-Theater
3 Greven's Adreßbuch für Köln und Umgegend, insbesondere auch Mülheim am Rhein und Kalk 1911