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Böhm-Film

Eine Kölner Filmproduktionsgesellschaft

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Im Juni 1926 läßt der Kölner Fotograf Arthur Böhm (1883-1934) die Firma Arthur Böhm & Co GmbH Köln unter der Nr.6218 ins Handelsregister eintragen. Firmensitz ist der Platz der Republik 17 (heute Ebertplatz). Gegenstand des Unternehmens ist die Herstellung von Natur- und Kulturfilmen. Das Stammkapital beträgt 5000 Reichsmark. Geschäftsführer ist zuerst Ludwig Schmidt, später übernimmt Böhm das Amt für einige Zeit selbst.

Imagefilme aus und über Köln

In ihrer Annonce in Grevens Adressbuch wirbt die Firma mit der Fabrikation, Verleih und Auswertung von Natur-, Kultur-, Sport-, Industrie-, Lehr-, Reise- und Propaganda-Filmen1. Die ersten Produktionen der Firma sind Kultur- und Industriefilme (Werkfilme) mit (lokal-)patriotischem Einschlag, teilweise handelt es sich um Wahlwerbefilme für die Zentrumspartei. Diese Produktionen begründen das Renommee der Firma als Produzentin anspruchsvoller Propagandafilme hauptsächlich für Kölner Institutionen und etablieren das Label Böhm-Film. Bevor es unter den totalitären Systemen des 20. Jahrhunderts zu einer Verengung des Begriffs Propaganda-(Film) kam, wurde er weitgehend synonym zu dem heute geläufigen Begriff des Imagefilms benutzt.

Vom Zentrum nach rechtsaußen

Arthur Böhm ist daneben weiterhin als Fotograf tätig. In mehreren Ausgaben von Grevens Adressbuch für Köln und Umgebung bietet er in einer Annonce künstlerische Portraitaufnahmen, Industrie-, Interieur-, Architektur- und Sportaufnahmen an. Am 7.Mai 1931 veröffentlicht der Kölner Lokal-Anzeiger unter dem Titel Motor-Pflasterer ein von Böhm hergestelltes Portrait eines Arbeiters mit Benzinmotor-betriebenem Pflasterstößel. Böhm hatte die Gelegenheit genutzt, die Verkehrsumstrukturierung vor seiner Haustür zu dokumentieren2. Böhms Adresse ist weiterhin Platz der Republik 17, die der Böhm & Co mbH ist Platz der Republik 21. Im August 1931 kam es zu Änderungen bezüglich des Firmennamens und des Unternehmenszwecks. Der schon seit einigen Jahren (mindestens seit 1929) als Geschäftsführer tätige August Bender übergab das Amt an Emil Bender. Zur Herstellung von Kulturfilmen ist nun auch der Handel mit diesen hinzugekommen, insbesondere die Herstellung und der Handel mit den schon vorhandenen patentamtlich geschützten Böhm-Filmen sowie die Herstellung und der Handel mit sonstigen fotografischen Erzeugnissen. Der neue Firmenname lautet Böhm-Film GmbH. Unter der Leitung des Fotografen und Kaufmanns Emil Bender schwenkt die, dem konservativ-katholischen Zentrum nahestehende Böhm-Film GmbH noch vor der (faktischen) Machtübernahme der Nationalsozialisten auf die Produktion von NS-Propagandafilmen um. Auch Arthur Böhm soll schon 1933 aus Überzeugung in die NSDAP eingetreten sein. Anfang des Jahres 1934 starb Böhm mit fünfzig Jahren3.

Werbeannonce
1935 erscheint eine Werbeannonce für das an den Deutschen Ring (heute Theodor-Heuss-Ring) verzogene Foto-Atelier Böhms in der Sonntagsbeilage der NS-Zeitung Der Neue Tag vom 2.Februar 1936

Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Filmografie4

Hier soll eine möglichst umfassende Auflistung der Filme erfolgen, die die Firma Arthur Böhm & Co GmbH bzw. Böhm-Film GmbH produziert hat. Über Hinweise, Ergänzungen und Verbesserungen würden wir uns freuen. Die Filmografie wird ständig ergänzt und erweitert.

Köln, die Metropole des Rheinlandes, in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung als Hafenstadt 1927/1928

Kultur-, Werbefilm

Inhalt:
genauer Inhalt bisher unbekannt

Wohnkultur, wie sie war, wie sie ist und wie sie sein soll 1927/1928

Kultur-, Imagefilm

Technischer Stab:

Inhalt:
Eine detaillierte Inhaltsangabe findet man bei -> Köln im Film.

Bemerkung:
Die Uraufführung für Deutschland fand am Christi Himmelfahrtstag 26.05.1927 um 18.00 Uhr im Großen Saal der Lese(gesellschaft), Langgasse 6 in Köln statt. Eine bearbeitete Version des Film sollte, falls es die Zeit erlaubt hätte, auf einer Veranstaltung des Mieterschutzvereins am 29.September 1928 gezeigt werden. Um welche Version es sich bei dem erhaltenen Material handelt ist unklar.

„Ein Tag im Funkhaus“ 1928

Kulturfilm

Inhalt:
Eine detaillierte Inhaltsangabe findet man bei -> Köln im Film.

„Köln am Rhein“ 1929

Kultur-, Imagefilm

Inhalt:
Eine detaillierte Inhaltsangabe, zusammengestellt aus Angaben einer Zensurkarte findet man bei -> Köln im Film.

„Köllen eyn Kroyn“ 1929, Länge: 2300m ca. 80 min

Image-, Wahlwerbefilm

Technischer Stab:

Inhalt:
Inhaltsangabe zitiert aus (zentrumsnahem) Zeitungsbericht über die Uraufführung:„[...]Aus Anlaß der bevorstehenden Wahl ließ [der Vorstand der Kölner Zentrumspartei] einen Film herstellen, der dem Kölner seine Stadt zeigen soll, der ihm Altes und Neues in wirksamem Gegensatz vor Augen führt und so zum Nachdenken darüber anregt, wem die enorme Summe an Fortschritten und Vorteilen der letzten Jahre in erster Linie zu danken sei, die aus dem Köln der romantischen Straße und Ecken auch eine moderne Kommune mit allen Notwendigkeiten der Neuzeit machte5“.

Bemerkung:
Wahlwerbefilm der Zentrumspartei Köln anläßlich der Kommunalwahl 1929. Der Titel bezieht sich auf ein Werk des späten Mittelalters, Die „Cronica van der hilliger Stat van Coellen“ von Johann Koelhoff dem Jüngeren aus dem Jahr 1499, in dem die Stadt Köln als eine Krone – über allen Städten schön bezeichnet wurde (Coellen, eyn Kroyn boven allen Steden schoyn).6 Die Sehsucht nach der Wiedererlangung alter Größe war zur Zeit der Wirtschaftskrise ungebrochen und schlug sich auch in weiteren Werbefilmen der nieder. So lief bei der Eröffnung des neuen Schulgebäudes in Köln-Zollstock im Mai 1930 ein Film mit dem Titel „Wer Köln nicht sah, hat Deutschland nicht gesehen“ der auf den mittelalterlichen Spruch: Qui non vidit Coloniam, non vidit Germaniam anspielte und „reizvollste Gegensätze des alten Köln und der neuen, werdenden Weltstadt [zeigte]“7. Am 17. November 1927 hielt Konrad Adenauer einen Vortrag vor Vertretern der Kölner Zentrumspartei über „Die Entwicklung der Stadt Köln im letzten Jahrzehnt“. Dieser beinhaltete auch den Satz: Unser geliebtes Köln sollte wieder »eyn Kroyn boven allen Steden schoyn« werden8.“ Das Zitat war auch auf Ansichtskarten mit Köln-Silhouette, sowie auf Kölner Notgeld zu finden und wurde gerne zur Abgrenzung gegenüber anderen Metropolen benutzt. Die Uraufführung fand im Festsaal des Vereins- und Gesellschaftshauses „Harmonie“, Apostelnstr. 13 am Abend des 4.Oktober 1929 in Anwesenheit von Oberbürgermeister Konrad Adenauer und zahlreichen weiteren Vertretern der Zentrumspartei statt. Die Längenangaben für die Uraufführungskopie lassen auf 35mm-Film schließen. Vermutlich waren auch viele 16mm Kopien hergestellt worden, denn der Film lief auf unzähligen Wahlkampfveranstaltungen des Zentrums in (katholischen) Vereinshäusern und Festsälen.

„Vom Werden und Wachsen der größten Kabelbrücke Europas“ 1929

Industriefilm (Werkfilm)

Technischer Stab:

Inhalt:
Werkfilm über den Bau der Mülheimer Brücke. Zu Beginn zeigt der Film die Schwierigkeiten beim ständigen Ausfahren der alten Holz-Ponton-Schiffbrücke, die durch einen modernen Brückenbau ersetzt werden sollte. Dann folgen die einzelnen Abschnitte des Brückenbaus, Einrammen der Pfähle, Herstellung und Auflegung der Kabel (Stahlseile), Einschlagen der Nieten, zuletzt die Einweihungsfeier.

Auszug aus einer zeitgenössische Rezension:
Dieser Film ist ein Dokument für spätere Geschlechter. Das Werden und Wachsen der neuen Mülheimer Hängebrücke zeigt er eindringlich, anschaulich und in glänzender Bildfolge. Er überliefert das Bild ihres Wachsens, das Bild derer, die sie mit ihrer Hand schufen, und die Arbeitsweise, aus der dieser Koloß von Stahl und Eisen, das Zeugnis von geistvoller Ingenieurtat, von menschlicher Arbeitskraft und nicht versiegtem Willen in schwerer Zeit erstand.[...]9

Bemerkung:
Hier handelt es sich auch um einen verkappten Imagefilm für das Zentrum. Das Prestigeprojekt Mülheimer Hängebrücke war nämlich mit der Zentrumspartei eng verbunden. Adenauer hatte die Hängebrücke gegen die von Liberalen, Demokraten, SPD, Wirtschaftspartei und Deutschnationalen favorisierte Bogenbrücke durchgesetzt. Dabei hatte das Zentrum sogar eine Koalition mit der KPD und der Mieterpartei in Kauf genommen. Die Uraufführung dieses Werkfilms fand am Samstag den 2.November 1929 vor geladenen Gästen im Emelka-Theater im Hochhaus statt. Am Sonntag den 10.November gab es dort auch eine öffentliche Aufführung. Als Vorfilm zur Premiere lief eine Bildrolle von der Grundsteinlegung der neuen Kölner Universität. Die Grundsteinlegung für den Neubau fand am 26.Oktober 1929 statt. Auch für dieses Projekt hatte Adenauer sich eingesetzt, als Oberbürgermeister hielt er dort auch eine Ansprache. Leider verschweigt der Rezensent, ob es sich dabei auch um einen Böhm-Film handelt10. Die Mülheimer Hängebrücke wurde im 2.Weltkrieg zerstört. Willy Krakau dokumentierte mit seiner Firma Industrie-Film Köln 1951 den Bau der neuen Mülheimer Brücke mit dem Titelzusatz „Vom Werden der Rheinbrücke Köln-Mülheim“ unter Verwendung von Material aus dem Böhm-Film.

„Der Werdegang des Rennpferdes“ 1931

Kultur,- Werbefilm

Technischer Stab:

Inhalt:
Der Dokumentarfilm zeigt die einzelnen Entwicklungsphasen eines Rennpferdes von der Aufzucht im Gestüt bis zum Einsatz im professionellen Rennsport. Erster Schauplatz ist das berühmte Gestüt Schlenderhan in Quadrath-Ichendorf. Der Film beginnt mit einer Vorstellung der Stammmütter (Orchidée und Maja) sowie Stammväter (Prunus und sein Sohn Oleander) des Gestüts. Dann folgt der Werdegang eines Fohlens, Trennung von der Mutter, Ausbildung zum Rennpferd. Im letzten Teil verfolgt der Film einen Moderenntag auf der Galopp-Rennbahn in Köln-Merheim (heute Weidenpescher Rennbahn). mit Aufnahmen von Führring, Wandelplatz, Richterhaus, Start und Ziel, Mode-Schönheiten, führenden Männern des Turfs und einer Reihe bekannter Kölner Größen.11

Bemerkung:
Uraufführung am Sonntag, den 12.April 1931 vor geladenen Gästen der Kölner „Turfgemeinde“ in der Schauburg. Wenige Jahre später wurden die Betreiber des Gestüts, die Familie Oppenheim enteignet und das Gestüt der SS unterstellt 12.

Gautag in Köln 1931

NS-Propaganda

Inhalt:
genauer Inhalt unbekannt

Bemerkung:
Obwohl der Begriff Gautag zu dieser Zeit auch noch für Generalversammlungen (Tagungen) von Vereinen oder Verbänden (Gauen) angewendet wurde, handelt es sich wohl eher um einen Propagandafilm anläßlich der Tagung der Nationalsozialistischen Partei am 30.August 1931 in Köln (in der Sprache des 3.Reiches: „im Gau Köln-Aachen“.)

Die Beerdigung Albert Heisters 1931

NS-Propaganda

Inhalt:
genauer Inhalt unbekannt.

Bemerkung:
Vermutlich eine tendenziöse Reportage über die Beerdigung des von der NS-Propaganda zum Märtyrer stilisierten Albert Heister, bei der auch Kölner NS-Größen wie Gauleiter Grohé anwesend waren. Heister, der als Geschäftsführer des nationalsozialistischen Kampfverbandes (Gau) Stahlhelm mit Gleichgesinnten gegen kommunistische Verbände agitierte, war in seiner Wohnung von dem Arbeiter Heinrich Niksch durch einen Pistolenschuß tödlich verletzt worden.

Adolf Hitler in Köln 1931

NS-Propagandafilm

Inhalt:
genauer Inhalt unbekannt.

Bemerkung:
Vermutlich eine propagandistische Dokumentation der Rede, die Hitler am 30.August 1930 bei einer Wahlkampfveranstaltung der NSDAP in einer Ausstellungshalle des Kölner Messegeländes hielt.

Die Wacht am Rhein! 1932

NS-Propagandafilm

Inhalt:
genauer Inhalt unbekannt.

Aktueller Bildbericht vom Kampf um den Rhein 1932

NS-Propagandafilm

Inhalt:
genauer Inhalt unbekannt.

Quellen:
1 https://www.digibib.genealogy.net/viewer/image/862075637_1927/1/LOG_0003/
2 Kölner Lokal-Anzeiger Nr.217 v. 7.5.1931
3 Christa Aretz, Irene Schoor Köln im Film, Filmgeschichten einer Stadt S.132, Bochumer Anzeiger v. 03.03.1934
4 abgeglichen bzw. ergänzt mit Angaben aus der Datenbank des Filmportals https://www.filmportal.de/institution/boehm-film-arthur-boehm-co-mbh-koeln_e8f69b7495554fe89b1d24abd653839c
5 Kölner Lokal-Anzeiger v. 5.10.1929 Nr.507
6 https://de.wikipedia.org/wiki/Koelhoffsche_Chronik
7 Kölner Lokal-Anzeiger v. 5.5.1930 Nr.226
8 https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf-ob/konrad_adenauer_-_gedenkschrift.pdf
9 Kölner Lokal-Anzeiger Nr.559 v. 3.11.1929
10 ebd.
11 Kölnische Zeitung Nr. 200 v.13.4.1931
12 https://de.wikipedia.org/wiki/Gest%C3%BCt_Schlenderhan

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