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Die Reformkinobewegung

Lichtbildereien und (Film)bildstellen in Köln und Umgebung

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Die Kinoreformbewegung entstand schon vor der Vollendung des ersten Jahrzehnts des 20.Jahrhunderts, als der Film anfing sich von Aktualitätenschau und reiner Dokumentation zu emanzipieren. Konservative und kirchliche Kreise erkannten schnell die Möglichkeiten und die Wirkmächtigkeit des neuen Mediums, der „Großmacht Film“, im Bereich Wissenschaft, Kultur, Lehre und nicht zuletzt im Missionierungswesen.

Sollte nun der Kinematograph nicht „Volksverderber“ sondern „Volkserzieher“ werden, mußte seine Programmgestaltung dem freien Spiel der Kräfte (Kinobetreiber, Publikumsgeschmack, finanzielle Interessen) entzogen und für hehre Ziele (Volksbildung, Volkswohlfahrt) nutzbar gemacht werden. Insbesondere die Jugend mußte vor Sensationsfilm und Frivolitäten (Schmutz und Schund) geschützt werden.

Streng religiöse Männervereinigungen, katholische Lehrer*innen konservative Juristen und Verleger sehen in behördlicher Zensur und Verboten das einzig wirksame Mittel gegen die kommerziellen Kinoprogramme. Durch Denunziation und öffentliche Schikane versuchen sie Druck auf die Kinematographenbesitzer auszuüben. Auch die direkte Warnung des Gemeindepfarrers vor dem Besuch einschlägiger Filme von der Kanzel herab bei der Sonntagspredigt war üblich.

Das Reformkino setzte dagegen langfristig auf die Etablierung einer Gegenkultur, durch Schaffung von Filmlagern und -archiven für als geeignet empfundene d.h. christlich-vaterländischen bzw. wissenschaftlichen Zwecken verpflichtete Filme, dem Aufbau von Vereinskinos und professionellen Verleihstrukturen sowie der Durchführung von kinematographischen Einführungskursen. In den Jahren nach dem 1.Weltkrieg kam die Einrichtung von Kulturfilmbühnen in bestehenden Kinos sowie die Etablierung eines kommunalen Kinos hinzu. Das Reformkino wurde hauptsächlich von technikinteressierten Lehrkräften und Geistlichen vorangetrieben. Wir stellen die wichtigsten, uns bisher bekannten Filmstellen mit Kölnbezug vor und verfolgen ihre Entwicklung. Zusätzlich portraitieren wir ausgewählte Protagonisten der Filmreformbewegung in Köln.

Die Lichtbilderei GmbH

Gründung

15.Juni 1909 in Mönchengladbach

Unternehmenszweck

Förderung der Volksbildung im Sinne des dort seit 1890 ansässigen Volksvereins für das katholische Deutschland. Geschäftsführer: Dr.theol.& phil. August Pieper und Dr.phil. Wilhelm Hohn. Die Lichtbilderei Gmbh erlangte größere Bedeutung als Verleih kulturfördernder Filme. 1930 wurde die Gesellschaft aufgelöst.

Annonce eines Kinobesitzers
Der, im Kulturkampf gegen Schmutz und Schund auch zum Schutz der weiblichen Jugend sehr engagierte Oberlehrer Dr. Sellmann aus Hagen hatte einen Kinobetreiber aus Münster zu dieser Klarstellung in der Münsterschen Zeitung Nr.168 v. 20.Juni 1912 veranlaßt.
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Die Provinzial-Lichtbilderei Bergisch-Gladbach

Gründung

1911 als Film- und Bildkonvention für Bonn und Umgebung. 1914 zur Lichtbilderei für den Regierungsbezirk Köln umgewandelt.

Pfarrer Brauers - Der Filmapostel

Eng verbunden mit der Provinzial-Lichtbilderei war der film- und allgemein technikbegeisterte Pfarrer Bauers. Er wurde am 4. Mai 1883 in Aachen geboren, am 14. August 1908 wurde er in Köln zum Priester geweiht. Nach Stationen als Kaplan in Call und Mönchengladbach war er von 1910 bis 1920 im Vikariat Ramersdorf-Küdinghoven eingesetzt. Dort hielt er Vorträge und richtete ein erstes Vereinskino in einer Scheune ein. Von 1920-1931 war er in Mechernich tätig, ab 1921 engagiert er sich für die in Köln gegründete Neuland Kinematographie GmbH. Am 1.Oktober 1931 läßt er sich außer Dienst stellen, um sich als ehrenamtlicher Generalsekretär des Katholischen Lichtspielverbandes im Zentralbildungsausschuß (ZBA) ganz der Sache des Reformfilms widmen zu können. Dieser Verband war im Jahre 1929 vom ZBA zur Umsetzung der besonderen Interessen katholischer Pfarr- und Vereinskinos gegründet worden.

Pfarrer Brauers erkannte das Potential des neu aufgekommenen 16mm-Schmalfilms für die katholische Filmaktion. Das Generalsekretariat des Lichtspielverbandes wurde unter ihm zum Zentralbüro für den Aufbau von Schmalfilbeständen und für die Einführung in die Schmalfilmtechnik. Zuletzt wohnte Brauers in Brühl-Pingsdorf bei Köln. Er starb am 13.Juni 1934 in Köln im Alter von 51 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls.

Frühe Gründungen wie die Lichtbilderei GmbH hatten zwar 1918 schon wieder an Bedeutung verloren, der Reformgedanke nahm jedoch kurz nach dem Ende des 1.Weltkriegs und der darauf folgenden Wirtschaftskrise unter dem Einfluß der neu gegründeten Jugendpflegeämter wieder Fahrt auf.

Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Lichtbildwesens in Erziehung und Unterricht (Städtische Lichtspiele Köln)

oder: Die Drei von der Filmstelle

Gründung

Im November 1920

Zweck der AG

Einrichtung von Auskunfts- und Beratungsstellen in den Bereichen:

Mitglieder

Lehrerinnen und Lehrer des Rheinlands

Städtische Filmstelle

Gründung

1922

Aufgabe der Filmstelle

Reform und Pflege des Lichtspielwesens in Köln

Leitung

Die Städtische Filmstelle unterstand dam Anfang dem Dezernenten für Kunst und Volksbildung, Dr. Meerfeld, hauptamtlicher Leiter war Willy Heymers.

Sitz

1926 Marienplatz 28

(Weiteres in Kürze...)

Annonce
Hubert Schreiber, Mitgründer der Rhenania Schmidt-Sturmburg & Co hatte die Filmstelle auf deren neue volksbildende Produktion „Richmodis von Aducht“ aufmerksam gemacht und angeboten, sie städtischen Kinos zur Verfügung zu stellen. Annonce in: Rheinische Volkswacht Nr.248 v. 26.Oktober 1923
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
Annonce
Der Industriefilm bei der Städtischen Filmstelle. Annonce in: Rheinische Volkswacht Nr.152 v. 27.6.1924
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
Annonce
Kindgerechte Unterhaltung in den Vorort-Präsenzkinos der Städtischen Filmstelle. Annonce in: Rheinische Volkswacht Nr.152 v. 23.12.1922
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Provinzial-Lichtbilderei Rheinland e.V.

Eintrachtstraße 163-171, um 1928