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Jean Epkens

Photograph und Retoucheur

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Johann August Ludwig Epkens, genannt „Jean“ Epkens, wurde am 1. oder 2. März 1860 in Köln geboren. Er war das erste von zehn Kindern des (Fein-)Mechanikers Johann Geriet Epkens aus Leer (Ostfriesland) und Florentine Epkens geb. Schuhl1.

In den 1870er/1880er Jahren hat er, wohl in Köln, eine Ausbildung zum Photographen durchlaufen. Daneben erlernte er das Handwerk des „Retoucheurs“. Die Fotoretusche war noch nicht lange vor seiner Geburt erfunden worden. Retuschiert wurde am Negativ und Positiv sowie am Albuminabzug. Die Retouche, also das nochmalige Handanlegen, wurde hauptsächlich als Verbesserung bzw. der Elimination eines vorhandenen Makels (im fotografischen Material) verstanden, weniger als Manipulation des wahrheitsgetreuen Mediums Fotografie. Aus Aufzeichnungen des Amsterdamer Stadtarchivs geht hervor, daß er sich, (wie schon sein Vater vor ihm) von 1889 bis 1895 in Amsterdam aufgehalten hat.2 Eingereist ist er mit Geburtsurkunde und Ausmusterungsschein (Bescheinigung für die Untauglicheit für Dienst in Heer und Marine). Als Grund des Aufenthalts ist vermerkt: om hier werkzaam te zijn = um hier seinen Beruf auszuüben, der in den Dokumenten mit „Retoucheur und Photograaf“ angegeben wird.

Fotovisitenkarte von Jean Epkens
Eine vom Atelier Jean Epkens angefertigte Photo-Visit(en)karte aus unserer Sammlung, auch Carte visit oder nur Visit genannt, mit dem Brustbild eines unbekannten Kunden.

Nach seiner Rückkehr aus den Niederlanden übernahm Epkens das Atelier des Fotografen Fritz Schneider in der Peterstraße 57.3 Schneider hatte dieses Atelier als Zweigfiliale betrieben, bzw. zeitweise durch den Fotographen Peter Rose als Filialisten führen lassen, sein Hauptatelier hatte er 1877 am Schießplatz, (Köln-)Wahn eröffnet, unter dieser Adresse firmieren auch weitere Fotografen.4 Der Neubau des, auf der Fotovisitenkarte als ergänzende Ortsangabe erwähnten, genüberliegenden Bürgerhospitals wurde 1847 fertiggestellt (heute Standort der VHS Köln)5.

Fotovisitenkarte von Jean Epkens
Auf der Rückseite der Photo-Visitenkarte steht die damalige Adresse von Jean Epkens. Bei genauem Hinsehen entdeckt man in den floralen Zierelementen den "Nordstern", nach dem Jean Epkens sein späteres Atelier benannte.

Das Atelier in der Peterstraße bestand wohl aus einer Dunkelkammer sowie Geschäftsräumen, die mit großen Schaufenstern ausgestattet waren. Schon Schneider stellte dort großformatige Photographien von (Karnevals-) Umzügen aus. 1897 heiratete er Mechthild Otter, Ende des Jahres 1897 wird ihr Sohn Johann Epkens geboren. Von 1898 bis zu der Geburt seiner Tochter Mechthildis im Jahr 1901 ist Epkens in Rabattwerbeanzeigen sowie amtlichen Zivilstandsangaben unter der Adresse Peterstraße 57 gemeldet und dort tätig.

Annonce für Julius Ittmann
Der Frankfurter Kaufmann Julius Ittmann spendiert Kunden seines Kredit-Warenhauses eine Gratis-Photographie im Atelier von Jean Epkens. Köln-Bergheimer Zeitung Nr.103 v. 27.August 1898. Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Im Jahr 1907 betrieb Jean Epkens sein Photographisches Atelier „Nordstern“ am Eigelstein 66. Zu dieser Zeit hat er in diesen Räumen auch seine „Rheinische Filmklinik“ unterhalten. Hier hat Epkens sein Wissen und seine Erfahrung als Retoucheur genutzt, um die ersten, im wiederholten Einsatz geschädigten Filmkopien zu restaurieren. Sein Angebot umfaßte die Beseitigung von Schmutz, Kratzern und den sogenannten Regenstreifen, die besonders an den Aktenden entstehen. Als Zusatz bot er auch das Colorieren der Filme an6. Die von Fischli in seinem Beitrag „Das goldene Zeitalter der Kinematographie (1896 - 1918)“ in „Vom Sehen im Dunkeln Kinogeschichten einer Stadt“ S.29 geäußerte Feststellung, daß das „Luna Kinema“ die „Rheinische Filmklinik“ verdrängt hätte, kann nicht zutreffen. Das Atelier „Nordstern“ befand sich 1907 im Haus Eigelstein 66 (wohl ein größeres Wohn- und Geschäftshaus) neben einem Automaten-Restaurant. Diese Art Restaurants kamen zu dieser Zeit massenhaft auf, sie boten eine vollautomatische Ausgabe von vorgefertigten auswählbaren Menues. 1911 eröffnet in den Räumen des Automatenrestaurants das „Luna Kinema“.

Werbung für das Luna-Kinema
Kinowerbung für das Luna-Kinema im Kölner Local-Anzeiger Nr.105 v. 18.April 1911. Quelle: www.zeitpunkt.nrw

In einer Zeitungsannonce vom April firmiert es, grammatikalisch etwas merkwürdig, als „einziges und grösstes Theater des Nordens Köln, früher Automat“7. Im September 1911 wirbt dann ein „Photographisches Atelier Merkur“, Atelier für moderne künstlerische Photographie, mit der Ortsangabe "Eigelstein 66, Eingang neben Luna-Kinema, gegenüber Tietz“ mit der Herstellung von Visit- und Cabinet-Photographien8. Dieses Atelier muß sich in den Räumen von Epkens „Nordstern“ befunden haben, ob der Name Merkur als Pendant zu dem an dieser Stelle schon eingeführtem Namen "Nordstern" gewählt wurde, bzw. wer sein Betreiber war, ist nicht bekannt. Auch die Ursache für die auffällige Häufung von astronomischen Namen (das Luna Kinema wirbt mit stilisiertem Halbmond mit Stern) bleibt im Dunkeln. Es gab zu dieser Zeit in Köln auch einen Vergnügungsspark mit Namen Lunapark nach englischem Vorbild. Jean Epkens war bereits im Jahr 1908 mit seinem Atelier Nordstern in die Dürener Str.115 (Parterre) verzogen, 1911 taucht das Atelier Jean Epkens in der Venloer Straße 237 auf9.

Der Konkurrenzdruck zwischen den einzelnen Photographen und Retoucheuren war aufgrund der hohen Anzahl von auch größeren Ateliers allein in Köln sicher hoch. Obwohl Jean Epkens selber einige Zeit als Photograph in den Niederlanden beschäftigt war, schaltet er zum Weihnachtsgeschäft 1908 diese leicht chauvinistische Werbeanzeige, in der er sich als fähiger und günstiger als die auswärtige Konkurrenz empfiehlt.

Weihnachtsannonce
Weihnachts-Annonce für das Atelier Nordstern im Kölner Local-Anzeiger Nr.349 v. 18.Dezember 1908. Quelle: www.zeitpunkt.nrw
Fotovisitenkarte von Jean Epkens
Postkarte mit Eigelsteintor (Nordseite) und Werbung für den Gasthof Frings aus dem Verlag von Jean Epkens.
Foto Copyrightvermerk Jean Epkens
Vergrößerte Ansicht des Copyrightvermerk Verlag von Jean Epkens

Wie seine Neffen eine Generation später im Bereich der beweglichen Bilder, wurde Jean Epkens mit seinem Postkartenverlag zum Chronisten des zeitgenössischen Kölns um die Jahrhundertwende.

Während des 1. Weltkriegs 1916 residiert Jean Epkens in der Brüsseler Straße 22 (nahe der Lindenstraße). Zu Weihnachten 1916 bietet er auf Teilzahlung als besonderes Geschenk „Sein Bild“ an: Eine Photographie von Bruder, Mann oder Sohn, die sich als Soldaten im Feld befinden oder schon gefallen sind, werden mit Sepia, Kreide, Tusche oder Öl übermalt. Das Übermalen bzw. Kolorieren von Photographien war auch ein Teil der Ausbildung zum Retoucheur, Könner auf diesem Gebiet konnten auch Tote (zumindest auf einer Fotografie) wieder zum Leben erwecken. Weihnachten 1917 bietet Jean Epkens unter gleicher Überschrift Vergrößerungen von Fotografien oder Postkarten der Eingezogenen an. Der Hinweis: „Wenn nur der Kopf vorhanden, wird jede Uniform geliefert!“ bezog sich darauf, daß Fotografen eine Sammlung von Kabinett-Aufnahmen von dekorativ an Marmorsäulen lehnenden uniformierten Körpern hatte, auf die dann jeder beliebige Kopf aufmontiert werden konnte. Die Uniformen wurden meist noch koloriert. Aus Epkens Photographischen Atelier ist eine „Vergrößerungsanstalt“ geworden. Aus patriotischen Gründen nennt er sich jetzt Johannes Epkens. Die Ortsangabe „Seite Opernhaus“ bezieht sich auf das alte Opernhaus am Rudolfplatz10. Jean Epkens Sohn Johann (Hans) Epkens wurde Architekt. Zusammen mit Hans Meves (als Meves & Epkens) realisierte er 1931 Planung und Bau eines Lichtspielhauses mit Haupteingang zum Saal an der Severinstraße 93. Der Ausgang des Kino ging zur Josefstraße11. Kinopächter war Dr. Heinz Lommerzheim, der in Köln zu der Zeit auch die Agrippina-Lichtspiele, das Boccaccio, und den Film-Palast mit angeschlossenem Gaststättenbetrieb und Kleinkunstbühne betrieb12. Tochter Mechthildis (Tilly) Epkens heiratete 1927. Ihr Sohn Kurt Mueller-Vollmer (1928-2019) war emeritierter Professor für „German Studies and Humanities“ an der Stanford University in Kalifornien13

Zeitungsannonce für Jean Epkens
Annonce für die „Vergrößerungsanstalt Johannes Epkens“ im Kölner Local-Anzeiger Nr. 299, Oktober 1917 Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Jean Epkens Sohn Johann (Hans) Epkens wurde Architekt. Zusammen mit Hans Meves (als Meves & Epkens) realisierte er 1931 Planung und Bau eines Lichtspielhauses mit Haupteingang zum Saal an der Severinstraße 93. Der Ausgang des Kino ging zur Josefstraße11. Kinopächter war Dr. Heinz Lommerzheim, der in Köln zu der Zeit auch die Agrippina-Lichtspiele, das Boccaccio, und den Film-Palast mit angeschlossenem Gaststättenbetrieb und Kleinkunstbühne betrieb12. Tochter Mechthildis (Tilly) Epkens heiratete 1927. Ihr Sohn Kurt Mueller-Vollmer (1928-2019) war emeritierter Professor für „German Studies and Humanities“ an der Stanford University in Kalifornien13

Quellen:
1 https://www.openarch.nl/search.php?name=Johann+August+Ludwig+Epkens, amtl. Bekanntmachung des Civilstand von Köln 1860
2 https://www.openarch.nl/search.php?name=Johann+August+Ludwig+Epkens
3 http://wiki-de.genealogy.net/Schneider_(K%C3%B6ln)/Fotostudio, Kölner Local-Anzeiger Nr.294, 23.Oktober 1898
4 Nach Angaben auf einer Foto-Visitenkarte aus privater Sammlung
5 https://www.kliniken-koeln.de/ueber_uns___Geschichte.htm?ActiveID=1639
6 Kinematograph 1907 Anonnce abgebildet bei Fischli: Vom Sehen im Dunkeln, S.29
7 Kölner Local-Anzeiger Nr.105, 18.April 1911
8 Kölner Local-Anzeiger Nr.262, 23.September 1911
9 Kölner Local-Anzeiger Nr.352, 22.Dezember 1911
10 Kölner Local-Anzeiger Nr 303, 1.November 1916, Kölner Local-Anzeiger Nr. 299, 28.Oktober 1917
11 Kölner Lokal-Anzeiger Nr 167, 8.April 1931, Wolfram Hagspiel Lexikon der Kölner Architekten vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert Böhlau Verlag, Köln 2022 (Biografien von Hans und seinem Cousin Edmund Epkens sind in dieser Quelle fälschlicherweise verschmolzen A.d. Verf.)
12 Kölner Lokal-Anzeiger Nr.534 12.November 1931
13 https://news.stanford.edu/2019/09/11/stanford-german-studies-scholar-kurt-mueller-vollmer-dies-91/

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