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Edmund Epkens

Kameramann, Filmproduzent, Kinopächter

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Geburt und frühe Prägung

Edmund Epkens wird am 12. August 1900 als Sohn von Ludwig Georg Epkens und seiner Frau Amanda Epkens geb. Stein in Köln geboren1. Seine ersten Erfahrungen mit Fotografie und Film macht er wohl im Fotolabor seines Onkels Jean Epkens. Nach eigenen Angaben schenkt ihm sein Vater, als er zwölf Jahre alt ist, einen Heimprojektor, mit dem er im Familienkreis Filme vorführt.2

Ausbildung zum Kameramann

1914 bis 1917 durchläuft er in Köln eine kinematographische Ausbildung bei Carl Krudewig. Krudewig, Sohn eines Kölner Drogisten, ist gelernter Kamera-Operateur bei der Firma Pathé. In seinem Auftrag dokumentiert Epkens für das Pathé Journal 1918 den Besuch von Kaiserin Auguste Viktoria im kriegsbedingt zum Lazarett umfunktionierten Volksgarten-Restaurant. Nach seiner Ausbildung wird er von dem Kölner Filmproduzenten und Kinobetreiber Emil Schilling als Filmvorführer in dessen Modernen Theater engagiert. Er erlernt dort die teilweise unethischen Vorführpraktiken des kommerziellen Kinobetriebs. So war Epkens angehalten, mit 50 statt 18 Bildern pro Sekunde vorzuführen, damit sieben statt drei Filme am Sonntag gezeigt werden konnten. Um eingeblendete Tafeln mit Zwischentiteln lesbar zu machen, bremste er die Achse, auf der die, bei den damals gängigen Projektorwerken vor dem Objektiv angeordnete Blende rotierte, jeweils kurz mit der Hand ab3. Er ist dort insgesamt drei Jahre tätig und steigt in der Zeit zum technischen Betriebsleiter auf4.

Kameramann und Filmfirmen(mit)gründer

1919 gründet Edmund Epkens mit dem Regisseur Fredy Hoffmann die Cyklopfilm-Gesellschaft. Den jungen Filmenthusiasten gelingt es, eine Notiz über die Neugründung und deren ersten Produktion „Der Onkel vom Lande“ in der Mai-Ausgabe der „Fachzeitschrift für Lichtspielkunst“ Der Kinematograph zu plazieren. Edmund Epkens wird dort prominent als „Photograph und Technischer Leiter“ genannt, auch die Tatsache, daß die neugegründete Firma über ein eigenes Atelier verfügt, findet Erwähnung. Anläßlich der Erstaufführung des einaktigen Lustspiels am Pfingstmontag 1919 im Modernen Theater lancieren die Jungfilmer einen Artikel in der Rheinischen Volkswacht vom 14.Juni 1919 unter der Überschrift „Köln als Filmfabrikstadt“. Dieser erwähnt zahlreiche Premierengäste des von „heiteren Musikstücken“ begleiteten Stummfilms. Als Darsteller werden die „Kölner Künstler“ Ludwig Epkens und Fräulein Amanda Epkens hervorgehoben. Vielen Kölner dürften die Auftritte von Ludwig Epkens Sr. und seiner Tochter Amanda, genannt Ada (1893-??) bei Verabschiedungsabenden für Eingezogene, sowie auf Wohltätigkeitsabenden der Vereinigung Thespis 1908 für die Hinterbliebenen von gefallenen Soldaten des 1.Weltkriegs wenige Jahre zuvor noch in Erinnerung gewesen sein. Ada Epkens wirkte dort in Theateraufführungen mit oder verlas von ihrem Vater verfasste Prologe5. Der Verfasser umschreibt das Sujet des gelungenen Filmscherzes mit „einer freilich nicht mehr so neuen Verwechslung eines Paletots“, betont jedoch, daß es sich (trotz Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung) um den „ersten vollständig in Köln fabrizierten Film“ handelt und schließt mit dem Hinweis: „Selbstredend werden weitere Leistungen folgen“. So viel jugendliche Chuzpe vermengt mit Kölner Lokalpatriotismus kam in der etablierten Fachwelt nicht gut an. In der Juni-Ausgabe des Kinematographen ätzt ein angeblich mit Absicht von der Pressevorführung ausgeschlossener Vertreter des in Düsseldorf erscheinenden Fachorgans unter dem Pseudonym Cato über die durch ihn, aus „Äußerungen des Publikums erfühlte“ mindere Qualität des ausschließlich von „im Filmfach tätigen Laien aus Köln und Umgebung“ bzw. von „aus der Damenwelt rekrutierten Gästen“ besuchten Films. In der Mai-Ausgabe hatte Cato noch wohlwollend über die Dreharbeiten berichtet, in die er bei einem Spaziergang in der Flora hineingeraten war. Allerdings war ihm der Faux Pas unterlaufen, die Cyklop-Film mit der schon etablierten Kölner Filmfirma Sturmburg-Film zu verwechseln.

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Die Cyklopfilm hat auch Kinoprojektoren wie z.B. den Ernemann Imperator verkauft. Anzeige in der Kölnischen Zeitung v. 25.1.1921
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Bruno Fischli nennt weitere von der Cyklopfilm hergestellte Filme, vermutlich ebenfalls humoristische Einakter mit den Titeln: „Der kranke Künstler“,„Oh, Du mein Köln“ und „Die Wohnungsnot“6.

Das erste eigene Kopierwerk

Im Januar 1920 gab Edmund Epkens im Kinematograph sein Ausscheiden als Gesellschafter, technischer Leiter und Aufnahmeoperateur bei der Cyklop-Filmgesellschaft bekannt. Die Cyklop spezialisierte sich danach auf den Vertrieb kinotechnischer Geräte. Epkens empfahl sich ab März 1920 im Kinematograph in großen Anzeigen selbstbewußt als „Leistungsfähigster Aufnahme-Operateur mit eigenem, [neuerdings erweiterten] Kinematographischem Laboratorium in Köln-Lindenthal, Kerpener Str. 61“. Als Referenzen nannte er u. a. Deutsches Filmhaus Emil Schilling und die französische Gaumont für deren Gaumont-Journal er Wochenschauaufnahmen gedreht hatte. Von dem hier erwähnten „kinematographischen Laboratorium“ in der Kerpener Straße (vermutlich ein kleineres Kopierwerk), wird sein älterer Bruder Ludwig Epkens Jr. 1969 behaupten, er habe es eingerichtet, Edmund habe zu dieser Zeit eine (zusätzliche) kaufmännische Lehre absolviert7.

Kameramann für die Va-Co-Filmgesellschaft

Im gleichen Jahr war Edmund Epkens als Kameramann für die von Friedrich Werther-Vanelli und dem Gastwirt Friedrich Heydmann gegründete Va-Co-Filmgesellschaft8, sowie für die von Heydmann gegründete Heydmann Films Cöln tätig.

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Edmund Epkens bietet in der Zeitung der britischen Rheinarmee nach den 1. Weltkrieg einen Heimprojektor der bekannten Firma ICA, die später in Zeiss Ikon aufging, zum Verkauf an. Anzeige in The Cologne Post v. 28.10.1921
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

(Mit-)Gründer der Rheinischen Film-Werke

Im September 1923 berichtet die Rheinische Volkswacht von ausgezeichnet gelungenen Filmaufnahmen der Sportveranstaltungen anläßlich der Einweihung des Sportparks Müngersdorf, die von der Firma Edmund Epkens (Rheinische Film-Werke) im Auftrag der Stadt Köln hergestellt worden waren9. Vermutlich ist der Firmensitz des nun unter dem Label Rheinische Film-Werke geführten Kopierwerks zu dieser Zeit noch die Kerpener Straße 61, die Räume dort mußten aber nach Aussage von Ludwig Epkens Jr. aufgegeben werden10. Bezüglich der Ausstattung der Rheinische Film-Werke erinnert Edmund sich im Jahr 1964 gegenüber einer Journalistin an „eineinhalb Tonnen Inventar einer bankrotten Frankfurter Kopieranstalt“, die er in der Inflationszeit „für 3.80 Goldmark“ kaufte11. 1969 erklärt Ludwig seinerseits unter Eid, daß er das Kopierwerk gegründet und seinen Bruder Edmund als Teilhaber aufgenommen hätte. Die „notwendigen Gegenstände“ seien mit seinem Geld in Frankfurt eingekauft worden. Edmund habe sich zu dieser Zeit mit Geld seines Onkels [Jean Epkens] eine eigene Kamera angeschafft12. Das Portfolio der Rheinischen Film-Werke umfasst Werksfilme für Handel, Gewerbe und Industrie- sowie Verkehrslehrfilme und Sportdokumentationen. In einer Annonce in Grevens Adressbuch von 1926 wird die Tagesleistung der Filmkopier-Anstalt mit 20.000 Metern Filmmaterial) angegeben, zusätzlich werden Kino-Maschinen und Apparate zum Verkauf angeboten. Firmensitz ist der Weißer Weg 7 in Rodenkirchen, Edmund Epkens wird namentlich (als kaufmännischer Leiter) genannt13. Im Oktober 1926 wird jedoch in den amtlichen Bekanntmachungen der Rheinische Volkswacht eine Zwangsversteigerung einer Photographischen Kopieranstalt mit Hofraum, 14 Ar groß, Nutzwert 1050 M(ark), Rodenkirchen Weißer Straße 8, Eigentümer: Edmund Epkens, Kaufmann in Köln-Lindenthal, Kerpener Str. 59 vermeldet14. Eine Erklärung für das Adressenwirrwarr könnte sein, daß Edmund noch ein Zimmer(Büro?) in unmittelbarer Nähe zum alten Firmensitz (Kerpener Str. 61) angemietet hatte, während er versuchte, in Rodenkirchen günstige und größere neue Betriebsräume zu finden. Den endgültigen Firmensitz, das Haus in der Weißer Straße 16 in Rodenkirchen, muß Edmund Epkens vermutlich kurz danach erworben haben. Ludwig Epkens Jr. behauptet 1969, es sei 1924 neu erbaut worden15. Edmunds Brüder Ludwig und Friedrich sollen am Haus beteiligt gewesen sein16. Die Kellerräume sowie Teile des Erdgeschosses beherbergten ein voll eingerichtetes Kopierwerk. Nach Aussage von Ludwig Epkens Jr., dem Kameramann Willy Krakau und dem Kopierwerkslaboranten Gerhard Gerdien umfasste es:

  1. Keller: einen Entwicklungsraum mit ca. 6-7 Bottichen, einen Wässerungsraum mit 2 Zementbottichen, einen Kopierraum mit verschiedenen Kopiermaschinen, Vergrößerungs- und Verkleinerungsapparat, Lichtbestimmungsapparat und Gleichrichter, einen Raum mit Aufnahmeapparat, in dem Titel gesetzt wurden, mit abgetrennter Nische zur Negativentwicklung.
  2. EG: Vorführraum mit Vorführsaal zur Sichtung, Trockenraum mit 3 Trockentrommeln, Schneideraum, Filmlager. Daneben muß Edmund Epkens dort auch seine Sammlung historischer Projektionstechnik (Projektorköpfe und komplette Vorführapparate) sowie ein umfangreiches Negativ-Archiv aufbewahrt haben.17.
Die restlichen Räume des Hauses dienten Ludwig Epkens Sr. und seiner Frau Amanda als Alterswohnsitz. Sowohl bezüglich der Gründung als auch der Beteiligung der Brüder Ludwig, Edmund und Friedrich Epkens an den Rheinischen Filmwerken gibt es von ihnen selber, Kollegen und Nachfahren widersprüchliche Aussagen. Nach eigenen Angaben (die sich mit Aussagen anderer Zeitzeugen decken), „unterhielten Ludwig und Friedrich Epkens anfangs Vertretungen in fotografischen Apparaten“18. In einer 1935 verfassten Firmenauskunft behaupten beide, bereits 1919 eine Kopieranstalt mit ihrem Bruder Edmund gegründet zu haben. Der Kölner Kameramann und Filmproduzent Eugen de la Motte erklärt in einer Stellungnahme, daß Ludwig ab 1923/24, Friedrich erst 1927/28 in die Firma ihres Bruders Edmund eingestiegen sind19. Durch eine Zeitungsannonce ist belegt, daß Ludwig Epkens Jr. im Jahr 1919 eine Photographische Vergrösserungs- und Kopier-Anstalt unter der damaligen Adresse seiner Eltern betrieb20. Friedrich Epkens war zu diesem Zeitpunkt erst 17. Nach Auswertung der historischen Fakten sowie Aussagen des Laboranten Gerdien erscheint es wahrscheinlich, daß Edmund aufgrund seiner Ausbildung als Aufnahmeleiter fungierte, sowie für die kaufmännische Geschäftsführung und aufgrund seiner Bekanntheit in der Branche für Publicity zuständig war. Daneben war Edmund als freier Kameramann tätig. Nach eigenen Angaben lieferte er in den 1920er Jahren Aufnahmen für die firmeneigenen Wochenschauen der süddeutschen Emelka A.G. (Emelka-Woche), der Berliner Firmen Phöbus-Film A.G.(Phöbus-Woche), Trianon-Film A.G.(Trianon-Woche), sowie der Opel-Woche. Noch Jahre später rühmte sich Edmund, daß es ihm gelungen war, bei der Grundsteinlegung für die Fordwerke in Köln-Niehl am 2.Oktober 1930 und bei einer Feier danach Aufnahmen von den kamerascheuen Henry Ford zu machen21. Ludwig Epkens Jr. begriff sich hingegen als handwerklich-technischen Kopierwerksleiter, da er die Verarbeitung des belichteten Filmmaterials überwachte. Zusätzlich wurden Kameraassistenten (z.B. Willy Krakau), sowie Kopierwerkslaboranten (z.B. Gerhard Gerdien) beschäftigt. Friedrich soll in der Firma ebenfalls kaufmännisch tätig gewesen sein22.

Teil der Propaganda-Maschinerie des „Dritten Reichs“

Die Nationalsozialisten wollten den Karneval als authentisches rheinisches Brauchtum und Köln als eine seiner Hochburgen in Spiel- und Kulturfilmen als Touristenattraktion vermarkten. Produziert werden diese Filme von in Berlin ansässigen Firmen, der Berliner Kameramann Erich Claunigk dreht die Spielfilmszenen, Edmund Epkens ist als Kölner Kameraoperateur für Kölner Lokalkolorit und dokumentarische Karnevalsszenen zuständig. In seinem Bericht in der NS-Zeitung „Der Neue Tag“ über einen verregneten Drehtag an Original-Schauplätzen für den Kurz-Film „Arena Humsti-Bumsti“ des Berliner Regisseurs Kurt Rupli von 1935 hebt der Reporter hervor, daß sowohl der Hürther Paul Henckels als ‚Schäl‘, wie auch der Kölner Hermann Job als ‚Tünnes‘ den authentischen rheinischen Dialekt beherrschen. Als Kameramann wird namentlich in dem Artikel nur der Kölner Edmund Epkens genannt23. Anläßlich des Films Drei tolle Tage von 1936 der Berliner Terra-Film-GmbH unter der Regie von Hans Deppe, für den Epkens Impressionen aus dem Kölner Karneval beisteuert, fragt sich der Kritiker, ob die „an sich nicht sehr belangvolle Handlung“, ohne die eingeschnittenen authentischen Köln-Aufnahmen von Geisterzügen etc. nicht sogar im Düsseldorfer! Karneval spielen könnte24. Auch für den in dieser Zeit gedrehten ‚Kulturtonfilm‘ der Terra über den Kölner Karneval Rheinische Fastnacht - Ein deutscher Volksbrauch werden Aufnahmen von Edmund Epkens verwendet. Daneben wird ein Schmalfilm von Röhling und Epkens zum Thema Karneval in der zeitgenössischen Berichterstattung erwähnt.25 Darüber hinaus ist Edmund Epkens wie schon zuvor als selbstständiger Wochenschau-Kameramann tätig und im selben Jahr im Stab der Kameraleute bei Leni Riefenstahls die neuen Machthaber verherrlichenden Olympia-Zweiteiler.

Aus einer Firma werden zwei

Während Edmund Epkens unter den neuen Machthabern vermehrt als Kameramann für Fremdproduktionen tätig ist (seine Dokumentaraufnahmen läßt er von Laboranten in der Weißer Straße entwickeln), erklären sich Ludwig und Friedrich Epkens 1932/33 zu Alleininhabern der Firma, bzw. sie eröffnen eine Zweigstelle in den ehemaligen Räumen der Kölner Stadtbildstelle am Marienplatz 28. Neues Alleinstellungsmerkmal der Firma ist nun die Produktion von Werbetonfilmen. Für die Filmaufnahmen engagieren sie verschiedene Kölner Kameraleute. Willy Krakau, der seit 1927 für Edmund gearbeitet hatte, mit ihm auch im Stab des Olympia-Films war, wechselt ca. 1938 in den Betrieb der Gebrüder Epkens, ebenso wie der Kopierwerkslaborant Gerdien. Die neu hinzugekommene Tonaufzeichnung übernimmt Ludwig Epkens Jr., für die Kopienherstellung sind Ludwig und Friedrich jedoch teilweise auf die Nutzung des Kopierwerks in der Weisser Str. (durch Laboranten) angewiesen. Die offensichtlich in Abwesenheit von Edmund Epkens und ohne dessen Wissen durchgeführte „Firmenübernahme“ führte zu einer dauerhaften Verstimmung zwischen Edmund und insbesondere Ludwig Jr. Aus de la Mottes Stellungnahme geht hervor, daß Edmund der Meinung war, er habe den Namen Epkens durch seine Tätigkeit als Kameramann und Produzent in der Filmbranche eingeführt und damit den Grundstein für den Erfolg des Kopierwerks gelegt. Friedrich und Ludwig scheint er als Profiteure von ihm erbrachter Vorleistungen zu sehen. In mehreren aufeinander folgenden juristischen Auseinandersetzungen werden die Nutzungsrechte der Betriebsräume des Kopierwerks in der Weißer Straße 16 zwischen den Brüdern aufgeteilt. Im Jahr 1936 erfolgt zudem eine eindeutige offizielle Trennung der Brüder. Das Handelsregister listet unter Abteilung A Nr. 12 734 die Firma Edmund Epkens (Filmhersteller). Die Firma Friedrich und Ludwig Epkens, Gesellschaft für Film und Filmbedarf hat die HR-Nr. A 12 73526. Einige erhaltene Ausweise und Mitgliedskarten belegen die Mitgliedschaft Edmund Epkens bei der Reichsfilmkammer,Fachschaft Film, Fachgruppe Kultur- und Werbefilm. Die Mitgliedschaft in eigens von den Nationalsozialisten gegründeten Berufsverbänden und -kammern war im NS-Staat verpflichtend, um in dem entsprechenden Beruf weiter tätig zu sein. Dieses System errichteten die neuen Machthaber, um ihnen nicht genehmen Personen die berufliche Existenzgrundlage zu entziehen. Den Kontrollzwang des Regimes gegenüber denen, die nicht mit Berufsverbot belegt wurden, verdeutlicht eine Mitgliedskarte für das Geschäftsjahr 1938/39, die Epkens als ‚Kulturfilmhersteller unter Beschränkung auf die Aufnahme von Tagesereignissen‘ ausweist. Laut Aussage seines Sohns Karlheinz war Edmund Epkens nicht Mitglied in der NSDAP.

Epkens Werbung im Branchenbuch
Werbung für Edmund, Friedrich und Ludwig Epkens in Bachems Kölner Branchenbuch von 1947. Edmund Epkens betont mit seinem Logo eines stilisierten Kameramannes seine kreativen Möglichkeiten in der Bildgestaltung.

Am 26.August 1939 wird Edmund Epkens zur Wehrmacht eingezogen, er meldet seine Firma daraufhin „ruhend“. Bis 1945 ist er als „Filmberichter“ einer Propagandakompagnie der Wehrmacht im Auftrag der „Deutschen Wochenschau“ für die ideologische Kriegsberichterstattung im 3.Reich mitverantwortlich. 1940 veröffentlicht das NS-Blatt „Der neue Tag“ eine Filmbesprechung unter dem Titel „Der Film von der Tapete“, über einen „vom Kölner Kameramann Epkens aufgenommenen Film“: Eine bekannte Tapetenfabrik aus Köln (Flammersheim & Steinmann Tapetenfabrik zu Köln-Zollstock) zeigt die Herstellung der Tapete, einen Kultur-Werbefilm der im Rahmen eines Vortrags des Kunstfreundes über die technische und künstlerische Entwicklung der Tapete im Vortragssaal des Wallraf-Richartz-Museums (heute MAKK) in Köln aufgeführt wurde27. Die Aufnahmen zu diesem Film waren vermutlich vor Edmund Epkens Einberufung entstanden.

Die Kinodynastie Epkens

Foto
Edmund Epkens, Ehefrau Lieselotte, Sohn Wolfdieter Epkens
Foto: Privatbesitz Karlheinz Epkens

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs bekam Epkens 1946 die Erlaubnis, wieder als Kameramann zu arbeiten. Im Oktober 1948 erhält Epkens ein Entlastungszeugnis des Deutschen Entnazifizierungs-Ausschuß für den Regierungsbezirk Köln28. Er gibt seine alte Firma jedoch im Jahr 1953 auf und beginnt eine neue Karriere als Kinobesitzer in Mehlem am Rhein29. Sein Filmarchiv von 30 000 Metern verkauft er im gleichen Jahr an Willy Krakau für 5000 DM30. Das Kino-Adressbuch 1960/61 listet ihn als Betreiber der Mehlemer Lichtspiele (Meli-Theater) in der Mainzer Str. 141 und der Lichtburg in Duisdorf, Kreis Bonn, Bonner Str. 6-8 auf. Seine Frau Lieselotte Epkens ist Besitzerin des Bambi am Ring in Köln, Ebertplatz 11, Sohn Wolfdieter Epkens ist Geschäftsführer. Die progressive Programmgestaltung im Bambi, in der auch Produktionen abseits des Mainstreams Platz haben, begeistert eine neue Generation junger Cineasten31. 1964 stellt Edmund Epkens die fünf interessantesten seiner insgesamt dreißig Apparate umfassenden Sammlung von Projektionstechnik aus der kinematografischen Frühzeit (u.a. einen Biorama Kinematographen von 1898 und eine Kalklichtlampe) in einem Schaufenster des Bambi aus. Begeistert erzählt Epkens in einem Zeitungsartikel über den Anklang, den die Geräte beim Publikum finden. Auch Franz Günther Bläsen, damals seit zwei Jahren Vorführer im Bambi und Jahre später Theaterleiter im Rex am Ring kommt zu Wort32.

Späte mediale Aufmerksamkeit

Durch im Fernsehen ausgestrahlte Archivaufnahmen, als deren Urheber sich Epkens zu erkennen gibt, genießt er im Köln-Bonner Raum als ältester Kölner Kameramann und Kinobetreiber kurzzeitig lokale Berühmtheit. Diese erlaubt es ihm, seine Zeitzeugenschaft an den Umbrüchen des 20sten Jahrhunderts in Zeitungsinterviews zu dokumentieren, ohne seine eigenen Verstrickung zu deutlich hervortreten zu lassen33.

Die Brüder bleiben unversöhnt

1969 läßt Edmund Epkens die Vergangenheit durch eine Klage gegen das Ausgleichsamt vor dem Verwaltungsgericht Köln auf andere Weise noch einmal aufleben. Gegenstand seiner Klage ist eine Entschädigungforderung für kinotechnisches Inventar, das in der Kriegszeit aus den Firmenräumen in der Weißer Straße 16 entwendet worden sein soll. Das heute nicht mehr existente Haus war während und kurz nach dem Krieg verwaist, Ludwig Sr. und Amanda Epkens hatten die Kriegsjahre in den Riehler Heimstätten verbracht. Von dort waren sie aber bis nach Hannover ausgebüxt und wieder zurückgebracht worden und waren vor Kriegsende dort verstorben. Ludwig Jr. verbrachte die letzten Tage des 2.Weltkriegs außerhalb Kölns. Angeblich waren im Haus fremde Personen einquartiert worden, amerikanische Truppen, die in Rodenkirchen einmarschiert waren, sollen auch im Haus gewesen sein. Anscheinend verdächtigte Edmund auch seinen Bruder Ludwig, Kopiergeräte für sein neues Werk in Baden entwendet zu haben. Ludwig Epkens Jr., Willy Krakau, und Gerhard Gerdien sagen als Zeugen aus, Edmund Epkens gelingt es letztendlich aber nicht, die Verluste glaubhaft zu machen34.

1972 trifft Epkens anläßlich der Photokina in Köln noch einmal auf Leni Riefenstahl. Riefenstahl stellt sich anläßlich einer Wiederaufführung ihres Olympia-Films im Eldorado (heute Metropolis) einer Publikumsdiskussion, während der sie, wie so oft, nicht müde wurde, ihre künstlerische Unabhängigkeit vom NS-Propagandaministerium zu betonen. Epkens war damals Seniorchef von Bambi und Eldorado, die sich beide am Ebertplatz befanden35. Am 10. Februar 1974 stirbt Edmund Epkens36.

Quellen:
1 Civilstand Köln 1900
2 Kinokarte für 5 Pfennig - Kölns ältester Kameramann plaudert, Kölner Stadt-Anzeiger v. 09.09.1964, RWWA 523-2-1
3 ebd.
4 Werner Hürfeld, Fachliche Bescheinigung für Epkens Eignung ein Kino zu führen 1948 RWWA 523-1-4
5 Kölner Local-Anzeiger 1915
6 Fischli: Vom Sehen im Dunkeln, S.29
7 Zeugenaussage Ludwig Epkens Jr. RWWA 523-1-4
8 Rheinische Volkswacht Morgen-Ausgabe 4.8.1920 Nr.251
9 Rheinische Volkswacht Nr. 216 19.9.1923
10 Zeugenaussage Ludwig Epkens Jr. RWWA 523-1-4
11 Kinokarte für 5 Pfennig - Kölns ältester Kameramann plaudert, Kölner Stadt-Anzeiger v. 09.09.1964, RWWA 523-2-1
12 Zeugenaussage Ludwig Epkens Jr. RWWA 523-1-4
13 Köln im Film, „Filmgeschichte(n einer Stadt)“, Köln 2016 Aretz, Schoor
14 Rheinische Volkswacht 29.Sept.1926 Nr.247
15 Zeugenaussage Ludwig Epkens Jr. RWWA 523-1-4
16 Firmenauskunft Friedrich und Ludwig Epkens, Abt. 1 h IHK Köln, Firmenakten RWWA
17 Zeugenaussagen Ludwig Epkens Jr., Gerhard Gerdien, Willy Krakau RWWA 523-1-4
18 Firmenauskunft Friedrich und Ludwig Epkens, Abt. 1 h IHK Köln, Firmenakten RWWA
19 Eidesstattliche Erklärung E. de la Motte 1949 RWWA 523-1-4
20 Rheinischer Merkur 02.1919
21 Ein Kölner Pionier des Films Begegnung mit Edmund Epkens, Westdeutsche Zeitung, 23.Juli 1949, RWWA 523-2-1
22 Zeugenaussage Ludwig Epkens Jr. RWWA 523-1-4
23 Der Neue Tag 16.09.1935 Nr.264
24 Der Neue Tag, Kölner Filmspiegel 12.11.1936 Nr.314
25 Der Neue Tag, 6.1.1937 Nr.6
26 Kölnische Zeitung 8.Mai 1936 Nr.233
https://www.filmportal.de/thema/die-reichsfilmkammer 27 Der neue Tag v.19.11.1940 Nr.319 https://www.filmportal.de/film/flammersheim-steinmann-tapetenfabrik-zu-koeln-zollstock-zeigt-die-herstellung-der-tapete
28 Entlastungs-Zeugnis Edmund Epkens, RWW A523-1-6 29 Firmenauskunft Edmund Epkens, Abt. 1 h IHK Köln, Firmenakten RWWA
30 Kinokarte für 5 Pfennig - Kölns ältester Kameramann plaudert, Kölner Stadt-Anzeiger v. 09.09.1964, RWWA 523-2-1
31 Kino-Adressbuch 1960/61, https://www.koeln-im-film.de/datenbank/kinos-a-z/detail/58
32 NRZ an Rhein und Ruhr RWWA 15.12.1964 523-2-1 33 Kölner Stadt-Rundschau 18.08.1964, Kölner Kameramann Epkens filmte in Köln Kaiserin und Adenauer, RWWA 523-2-1 34 Verfahrensunterlagen, Zeugenaussagen Ludwig Epkens Jr., Gerhard Gerdien, Willy Krakau RWWA 523-1-4 35 Kölnische Rundschau 30.09.1972 RWWA 523-2-1
36 Kölner Stadtanzeiger 13.02.1974, RWWA 523-2-1

Filmografie

Filme, an denen Edmund Epkens als Kameramann (und Produzent) beteiligt war.

Cyklop-Filmproduktionen

„Der Onkel vom Lande“(1919)

Humoreske, 1 Akt

Darsteller:

technischer Stab:

Inhalt:

unbekannt, heiteres Verwirrspiel um einen verwechselte Paletot.

Bemerkung:

Dieser Film blieb Ada Epkens einziger Ausflug ins Filmgeschäft (falls sie nicht in einer weiteren Cyklopfilm-Produktion aufgetreten ist), sie heiratete 1920 einen Ingenieur.

VaCo/Heydmann-Filmproduktionen

„Das Weib des Overstolzen“ oder:„Die Klosterbraut“(1920)

Historienspiel, 4 Akte

Darsteller:

technischer Stab:

Bemerkung: siehe Filmografie Va-Co Filmgesellschaft mbH

„Ihr letzter Fall“(1920)37

zeitgemäßes Filmstück, 4 Akte

Darsteller:

technischer Stab:

Inhalt:
unbekannt

Verschiedene Produktionsfirmen

Aus dem Gebiete des Okkultismus

technischer Stab:

Inhalt:
unbekannt

Dokumentar-, Werbe- und Imagefilme der Rheinische Film-Werke

„Steeler Maifeier“, 1921, 7'19"

Inhalt:
Dokumentation der Maifeier 1921 in Steele a.d.Ruhr, (heute: Essen-Steele) s.a. Katalog Internationale Oberhausener Kurzfilmtage 2018

Bemerkung:
Als einzigen Credit nennt der Film Edmund Epkens. Ein von einer originalen Nitratkopie hergestelltes Digitalisat dieses Films wurde auf den Oberhausener Kurzfilmtagen 2018 als Beitrag der „Kinemathek im Ruhrgebiet“ gezeigt.

„Einweihung des Sportparks Köln-Müngersdorf“, 1923

Inhalt:
Im Auftrag der Stadt Köln erstellte Reportage der Sportveranstaltungen anläßlich der Einweihung, sowie die eigentliche Einweihung des neuerrichteten Müngersrdorfer Stadions durch Oberbürgermeister Konrad Adenauer in Anwesenheit von ca. 300.000 Personen am Sonntag den 16.September 1923.38

„Zum Gedenken an Hermann Josef Winter“, 1929, 9'

Inhalt:
Dokumentation über den am 21. September 1929 verstorbenen Ehrendechant Monsignore Dr. Hermann Josef Winter, Pfarrer an St. Marien in Alt-Godesberg.

„Hindenburgs Rheinland-Reise zu den Befreiungsfeiern“, 1930

Alternativ-Titel: Hindenburg-Besuch in Köln 1930

Inhalt:
Dokumentation der Feiern anläßlich des Abzugs der belgischen Truppen, die nach Ende des 1.Weltkriegs in Aachen stationiert waren. Eine Inhaltsangabe findet sich unter:
http://www.filmarchives-online.eu/viewDetailForm?FilmworkID=7d85edfe9cbdf20cc5c3977444162fdd&searchterm=%22epkens%22

Dokumentar-, Werbe- und Imagefilme der Firma Edmund Epkens

Kristall-Spiegelglas. Die wesentlichen Vorgänge seiner Herstellung, 1936

Inhalt:
unbekannt

„Die Herstellung der Tapete“, 1940

Technischer Stab:

Inhalt:

[...]Der von dem Kölner Kameramann Epkens aufgenommene Film führte dann zwanglos durch die Fabrik und zeigte hier sehr gut das Zusammenwirken von Kunst und Technik. Jeder Schaffende in diesem Werk muß malerisches Empfinden besitzen; denn die Tapetenberstellung ist ein künstlerisches Handwerk. Das Papier, das meist der Schwarzwald sendet, erhält eine überaus sorgsame Bearbeitung. Die Arbeit im Atelier, Vordruck, Farbmischung, das Stechen der Formen, Druck Versand und die ganze Tätigkeit rollte der Film kurz auf und gewährte einen Einblick in das sonst verschossene Tor dieses Handwerks.[...]
Der neue Tag v.19.11.1940 Nr.319

Bemerkung:
Eine VHS-Kopie des Films befindet sich im Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv zu Köln.

Spielfilmproduktionen verschiedener Firmen mit Epkens als Kameramann

Quellen:
37 Anonnce in: Der Kinematograph v. September 1920
38 https://www.stadt-koeln.de/artikel/05455/index.html

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