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Knepper-Film

Die Nippeser Filmfabrik

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Anton Knepper war der zweitälteste (geb. Februar 1896), sein Bruder Wilhelm der drittälteste (geb. Juni 1897) Sohn des Lackierers Heinrich Knepper und seiner Frau Anna Sophia geb. Schlösser aus Köln-Nippes1.

Am 1.August 1918 meldeten die zwei Brüder ihre Firma unter der Nr. 6829 Gebrüder Knepper OHG Cöln im Handelsregister an. Gesellschafter waren Anton, genannt Toni und Wilhelm, genannt Willi Knepper. Toni, offensichtlich der kreative Part, firmierte in der Eintragung als Schauspieler, er entwickelte sich zum Autor-Regisseur, schrieb die Manuskripte und übernahm auch die Regie bei den Knepper-Filmen, Willi war für den kaufmännischen Teil zuständig. Die Kneppers übernahmen Fabrikation und Verleih und verfügten sogar ein eigenes Atelier, nämlich ihr Elternhaus (ein Wohnhaus mit Hofraum und Pferdestall) in der Simon-Meister-Straße 21 in Köln-Nippes.

Joint Ventures und Firmenerweiterung

Zur Vermarktung von Toni Kneppers Erstlingswerk, dem Drama „Fessel der Liebe“ fädelte Willi Knepper einen Deal mit dem Schriftsteller Bernd Sturm bzw. dessen neugegründeter Filmfirma Bernd Sturm-Sölling-Filmgesellschaft ein. Wie diese Firmenkooperation sich in der Praxis gestaltete ist nicht ganz klar. In einer März-Ausgabe der Filmzeitschrift Kinematograph von 1919 informierte Bernd Sturm in einer ganzseitigen Annonce über die Neugründung mit dem Hinweis, daß „ein Miteigentumsrecht an dem Atelier der Filmfirma Gebrüder Knepper besteht“. Während Willi Knepper als Generaldirektor vorgestellt wird, taucht Toni in keiner leitenden Position auf, als Dramaturg wird Bernd Sturm genannt, geschäftsführender und künstlerischer Direktor ist Heinz Nüßgen aus Köln Nippes, Oberregisseur Harry Goettig, Schauspieler und Regisseur am Deutschen Theater Köln. In der Annonce kündigte Bernd Sturm auch den ersten Film seiner neuen Firma an: „(Bitter ist des) Schicksals Walten“, ebenfalls ein Gesellschaftsdrama. Merkwürdigerweise wird in einer Kinowerbung für diesen Film Toni Knepper als Verfasser und Regisseur genannt. Ob aus dieser Firmengemeinschaft weitere Filme hervorgingen, ist uns nicht bekannt.

Im Mai 1919 wurde die OHG der Gebrüder Knepper in eine GmbH umgewandelt und firmierte fortan als Firma Gebrüder Knepper & Co. mbH, (Abteilung B Nr.2689) Filmfabrik in Cöln. Unternehmenszweck war nun außer der Herstellung auch der An- und Verkauf von Filmen u.a. die Einrichtung von Lichtspielhäusern. Die Brüder brachten das von ihnen bisher betriebene Filmgeschäft nebst Aktiven und Passiven ein, mit dem Recht, die bisherige Firma weiterzuführen. Als Geschäftsführer wurde Franz Steinmetz bestellt. Steinmetz vermittelte wohl das neue Atelier in der Maybachstraße 155. Im September 1920 übernahmen die Knepper-Brüder die Geschäftsführung, Steinmetz hatte im Juli 1920 mit Franz Preuss schon seine eigene Firma Weltall, Filmgesellschaft mbH am selben Ort gegründet.

Ein weiterer Geschäftspartner der Knepper-Brüder war im Juni 1919 wohl Paul Dierichs2, der in der Ehrenstraße 1-3 eine Projektionstechnische Werkstätte betrieb. Dierichs unterhielt dort auch ein großes Lager mit Ersatzteilen für Pathé- und Ernemann-Projektoren sowie einen Vertrieb für Kinoprojektoren der Firmen ICA, Nitzsche und Lloyd. Daneben trat Dierichs auch als Produzent von Reportagen und Wochenschauberichten in Erscheinung.

Rheinland-Film Co.

Anfang 1920 wurde im Kinematograph eine Firmen-Neugründung unter dem Titel „Rheinland-Film Co“ angekündigt, deren Spezialität Lustspiel-Serien urkölschen Charakters vermarktet unter dem Label: Toto Lustspiel Sonderklasse“ sein sollten. Die Künstlerische Leitung der Firma lag bei Toni Knepper, als Star der Reihe wurde der rheinische Komiker und bekannte Tünnes-Darsteller Franz Umbach genannt3.

Presto-Film-Gesellschaft

Nur Monate später gründeten die Knepper-Brüder die Presto-Film-Gesellschaft mit Sitz Hansaring 94. Toni war wiederum künstlerischer Leiter, sein Bruder Willi war technischer Leiter, Mitbesitzer Karl Keuter war für den kaufmännischen Teil zuständig. Auch mit ihrer neuen Firma orientierten sich die Kneppers am Zeitgeist. Sie setzten auf ‚Grotesken‘, die den Leuten in der wirtschaftlich schwierigen Nachkriegszeit Zerstreuung boten und meist unbehelligt die, unter dem Einfluß der Kinoreform (Jugendpflege, Kampf gegen Schmutz und Schund auf der Leinwand) sehr rigide Zensur passierten. Dennoch nahm sich der geschäftstüchtige Toni Knepper auch eines weiteren Schlüsselthemas der beginnenden 1920er Jahre an. Möglicherweise beeinflußt dem bekannten Hypnotiseur und Telepathen Minx, dem Mann mit der schwarzen Augenmaske, der zu der Zeit mit der Traumkünstlerin Medy durch die Lichtspielhäuser tingelte, verfasste er das sechs Kapitel starke Drehbuch zu dem Sensations-Abenteuer „Suggestion“, Untertitel: „Ich will, daß du tötest“. Im Juli 1920 meldete der Kinematograph, daß Toni Knepper mit Arthur Böhm das Manuskript zum zweiaktigen Lustspiel mit grotesken Einschlägen unter dem Titel „Mit 100° Celsius in die Ehe“ fertiggestellt hatte4.

Annonce für ein Gastspiel von Minx und Medy im Lichtspielhaus Fränkischer Hof, Köln, in der Rheinischen Volksstimme Nr.132 v.5.6.1920
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
Ab Mai 1920 gastierte auch der berüchtigte Hypnotiseur Erik Jan Hanussen im Kristall-Palast, Köln. Werbeannonce in der Kölnischen Zeitung Nr.406 v.1.5.1920
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
Der Film sollte „in allen vier Erdteilen“ spielen, aber auch, als lokales Element, einen „Sprung von der Rheinbrücke auf ein fahrendes Schiff“ enthalten5. Tatsächlich lief im Jahr 1920 ein Film dieses Titels in den Kinos. Dieser Film wurde auch unter dem Alternativ-Titel „Der Mord in der Hypnose“ beworben und handelt von dem internationalen Hochstapler Dr. Severo, der sein wehrloses Medium Harriet durch Hypnose zu Einbruch und Mord verleitet. Allerdings fanden erste Vorstellungen des Films schon Anfang 1920 statt, die Notiz über das fertige Drehbuch erschien erst in einer Mai-Ausgabe des Kinematograph.

Werbeannonce mit Klischeedruck und Inhaltsangabe des Films
Auch Minx und Medy traten unter dem Titel „Im Banne der Hypnose“ auf. Annonce für den Film „Suggestion“ in der Gevelsberger Zeitung Nr.215 v. 18.September 1920
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Anfang der 1920er Jahre stand das Gebäude in der Simon-Meister-Straße 21 mehrfach vor der Zwangsversteigerung. Ende der 1920er Jahre tritt Toni Knepper noch einmal als Conferencier auf Karnevalssitzungen in Erscheinung.

Filmographie

Hier soll eine möglichst umfassende Auflistung der Filme erfolgen, an denen Firmen der Gebrüder Knepper als Produktions- bzw. Verleihfirma beteiligt waren bzw. Toni Knepper als Regisseur beteiligt war. Über Hinweise, Ergänzungen und Verbesserungen würden wir uns freuen. Die Filmographie wird ständig ergänzt und erweitert.

„Fessel der Liebe“, 1919

Werbeannonce
Annonce für die zwei ersten Knepper-Spielfilme in der Rheinische Volkswacht Nr.258 v. 17.September 1919
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Gesellschafts-Drama, 4 Akte + Vorspiel

Technischer Stab:

Darsteller:7

Inhalt:
Der unter dem Pseudonym Cato in der Zeitschrift Der Kinematograph schreibende Filmkritiker fasst den Inhalt des Films in seinem Bericht über Köln als Filmstadt folgendermaßen zusammen: „Roman eines Mädchens aus dem Volk und einem Mann aus den sogenannten besseren Kreisen, die sich kennen und lieben lernen, deren Liebe aber zunächst an veralteten Standesvorurteilen scheitert, die aber die Fessel der Liebe schließlich doch nicht zu sprengen vermögen“9. Bei der endgültigen Fassung scheint man sich gegen ein Happy End entschieden zu haben. Der immer noch wohlwollende Premierenbericht erwähnt nun „zwei Liebende, die am Ende keine gemeinsame Zukunft haben“10. Herr Cato stolperte am Tag seines Berichtes auch zufällig in die Dreharbeiten zu einem weiteren Film, mehr dazu unter unserer Biografie Edmund Epkens.

Bemerkung:
Die Knepper Brüder legten in ihren Werbeannoncen Wert darauf, daß ihre Filme „auf Kölner Boden“ gedreht wurden, damit reihen sie sich in die Gruppe junger (Kölner) Nachwuchsfilmer, die kurz nach Ende des 1. Weltkriegs der Filmstadt Berlin die Stirn bieten wollten. Demonstrativ wird darauf hingewiesen, daß „Fessel der Liebe“ kein Aufklärungsfilm bzw. „Sittenbild“ ist, eine eindeutige Abgrenzung zu der Welle von Kolportagefilmen Richard Oswalds u.a. Ein weiterer innovativer Ansatz war, daß man nicht die üblichen Bühnen-, Theater- und Operettendarsteller, sondern offensichtlich von dem neuen Medium Film begeisterte Laiendarsteller engagiert hatte, die „eigens für diesen Film angelernt wurden“. Eine Pressevorführung fand als Double-Feature mit der nachfolgenden Knepper-Humoreske „Vom Frontsoldaten zum Kriegsgewinnler“ in den Agrippina-Lichtspielen am 13. September 1919 statt. Uraufführungtermine waren 16-19 September im großen Saal der Bürgergesellschaft am Appellhofplatz.

Eine Werbeannonce in der Zeitschrift Der Kinematograph11 nennt Felix Kratz, eine weitere Annonce für die Premierentermine des fertigen Films im September 1919 nennt Eugen de la Motte als Kameramann. Ob beide tätig waren, oder einer den anderen ersetzte, ist nicht bekannt.

„Die Kölner 230 Kilometer Rennen“, 1919

Sport-Reportage, 250m

Technischer Stab

Inhalt:
Reportage über das Radrennen „Das Goldene Rad vom Rhein“ und den Pfingstpreis, Dauerrennen auf der Kölner Radrennbahn. Qualifiziert hatten sich Karl Wittig, Kruppkat (Berlin), Jean Steingass, Christian Müller, Jean Rosellen (Köln), Frings, Bäumler, Kasper Lengersdorf. Wittig gewann das Rennen.

Bemerkung:
Eugen de la Motte firmiert in der Verleih-Werbeannonce von Knepper-Film in der Zeitschrift Der Kinematograph als Eugène de la Motte.8

„Vom Frontsoldaten zum Kriegsgewinnler“, 1919

Lustspiel, 3 Akte

Werbeannonce
Annonce für die Humoreske „Vom Frontsoldaten zum Kriegsgewinnler“ in: Solinger Tageblatt Nr.274 29.11.1919
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Technischer Stab:

Darsteller:

Inhalt:
Komödie über das nach Ende des 1.Weltkriegs aufkommende Schieberunwesen. Der Slang-Ausdruck Schieber bezog sich auf Personen, die begehrte Waren, an denen es aufgrund der wirtschaftlichen Situation nach dem 1.Weltkrieg mangelte, auf dem Schwarzmarkt verkauften. Der Begriff wurde deshalb auch synonym mit dem des Kriegsgewinnlers benutzt.

Bemerkung:
Für die Hauptrolle dieser vom gerade beendeten 1.Weltkrieg inspirierten Humoreske konnte der Kölner Humorist Fritz Hückeswagen gewonnen werden. Hückeswagen, der auch als Teil des Varieté- und Possen-Trios Fidelitas durch die Peripherie tingelte, hatte sich auf die Parodie bestimmter Archetypen spezialisiert.

„(Bitter ist des) Schicksals Walten“, 1919

Gesellschaftsdrama, 4 oder 5 Akte

Werbeannonce
Annonce für das Gesellschaftsdrama „(Bitter ist des) Schicksals Walten“ in: Bergheimer Zeitung Nr.102 vom 28.Oktober 1920
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Technischer Stab:

Inhalt:
bisher unbekannt

„Künte mir no nit dat Milliönche han!“, 1920

Lustspiel, 3 Akte, ca. 1 Std. Laufzeit

Technischer Stab:

Darsteller:

Inhalt:
Onkel Wuppdich hat wieder mal eine Million in der Lotterie gewonnen. Er stellt die gesamte Summe demjenigen seiner beiden Neffen in Aussicht, dem es gelingt, vier Monate zölibatär zu leben. Gleichzeitig benutzt er die Million als Köder für seine Nichte. Diese soll sie erhalten, wenn wenn es ihr gelingt, die Neffen zum Bruch ihrer Verpflichtung zu verführen. Nach einer Reihe der üblichen lustigen Verwicklungen brechen beide Neffen ihr Versprechen, einer allerdings durch Verlobung mit der Nichte. Damit verliert er die Million, gewinnt sie jedoch indirekt als Mitgift seiner Braut wieder. Sein leer ausgegangener Neffe und dessen Freundin seufzen den Glücklichen nach: „Künte mir no nit dat Milliönche han!“ (Ach, könnten wir nicht die Million haben!).

Bemerkung:
Köln ist natürlich wieder Ort der Handlung, im Titel und in den begleitenden Zwischentiteln erscheint erstmalig Kölscher Dialekt d.h. „Hochdeutsch mit Knubbele“13. Daß diese Art von Grotesken von der Zensur kaum beanstandet werden konnten, nutzten die Kneppers auch als Werbeargument in ihrer Annonce im Kinematograph. Statt Hückeswagen spielte das Kölner Unikum Harry Löwen die Hauptrolle. Darsteller des glücklichen Neffen war Alexey Lajserowicz, der in den 1920er Jahren im Rheinland als junger russischer Ballett-Tänzer auf Hausfrauentagen, Kinderfesten und auch im Kölner Karneval aktiv war. Der Filmtitel war wohl von Willi Ostermanns nicht lange vorher erschienenen Karnevals-Schlager inspiriert. Eine Aufführung des Films fand im Dezember 1921 im Filmpalast Hohe Straße 11-13 (ehemals Castan‘s Panoptikum) statt.

„Vatter loß mich doch Filmschauspiller wehde!“, 1920

humoristischer Einakter

Technischer Stab:

Darsteller:

Quellen:
1 Civilstand Köln 08.02.1896, 22.06.1897
2 https://www.koeln-im-film.de/filmgeschichte/film-und-kino-im-ersten-weltkrieg/1918/1919-die-koelner-filmbranche-unter-revolutionaeren-und-besatzern
3 Kinematograph Nr.679/80, 1920 4 Kinematograph Nr.705, 1920 5 Kinematograph Nr.695, 1920
6 Kinematograph Nr.644, 1919
7 Kinematograph Nr.638, 1919, https://earlycinema.dch.phil-fak.uni-koeln.de/films/view/21969
8 Kinematograph Nr.650, 1919
9 Kinematograph Nr 646, 1919
10 Kinematograph Nr.663, 1919
11 Kinematograph Nr.638, 1919
12 Kinematograph Nr.701, Juni 1920, Rheinische Volkswacht v.7.12.1921
13 Kinematograph Nr.695, 1920
14 Kinematograph Nr.710, 1920

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