Logo cinecorso Projekt Klassische Kinokultur in Köln

Das Projekt CineCorsoCologne

Die Projektionstechnik eines Kölner Kinos soll wieder zum Leben erweckt werden

Geschichte der Corso-Lichtspiele von 1958 -1987

1958 Neueröffnung im vergrößerten Neubau, mit aufwendig ausgestattetem Saal, neuester 35mm Cinemascope Projektionstechnik, Einkanal-Lichtton-, Vierkanal-Magnettonanlage (zwei Bauer B14 Projektoren, Klangfilm-Tonanlage, Dia-Ansatzgerät mit Buchblende von KIWE Köln, Steuertableaus von Heitmüller & Lau).

Ende der 1970er Jahre wird ein kleines ‚Studio‘-Schachtelkino mit ca. 30 Sitzen eingerichtet. Dort wurden nach Aussage der Tochter des damaligen Hausmeisters Sandalenfilme, Spaghetti-Western, Eastern und später Softpornos gezeigt. Wir dokumentieren das von Wasserschäden gezeichnete Studio auf diesen Seiten (Exkurs I in der rechten Spalte).

Nach der Schließung ca. Juli 1987 belegen ein Lebensmittel-Discounter und eine Spielhalle weite Teile des Hauptsaals.

2016 bricht man im Gebäude eine Tür auf, zu der sich kein Schlüssel mehr finden ließ und entdeckt dahinter die vollständig erhaltene Technik des Hauptsaals.

Das CineCorsoCologne Projekt bezieht sich auf die Projektionstechnik der Neueröffnung im Jahr 1958.

Fortuna Backmaschine im Corso
Zuletzt soll im Corso noch Gebäck verkauft worden sein.

Wir fanden diesen Fortuna Backautomaten im Projektionsraum des Studios. Oben rechts sieht man übrigens den Holzrahmen und ein Teil des Fensters, durch das der Studio-Projektor das Bild auf den im Nebenraum befindlichen Spiegel projeziert hat.

Das Kino im Lauf der Zeit

corso ital.: der Lauf (der Zeit), die Hauptstraße, die Prachtstraße, der Kursus

In den Anfängen der Kinematografie, beim Wander- und Heimkino fanden die Vorführungen oft in Gaststätten und Gemeindesälen statt, waren Publikum und Projektionstechnik noch nicht strikt von einander getrennt. Die Apparatur war vielmehr, als bis dahin Ungesehenes vermittelnde ‚Wundermaschine‘, Teil der Attrakton.

Der kommerziellen Betrieb der Großstadtkinos beförderte die Trennung in Zuschauer- und Vorführraum primär aus Gründen der Sicherheit (Brandschutz etc.), aber auch aus Gründen der Illusionswahrung (Technik sollte nur im Fehlerfall, z.B. Filmriß etc. sichtbar werden, oder, abstrakter ausgedrückt, durch die Schlagworte der Werbeindustrie. (Diese lauteten damals Cinemascope, Vierkanal-Magnetton, heute 4K, Dolby Atmo etc.).

Auf dieser Trennung beruht die Identifikation des meist aufwendig ausgestatteten Hauptsaals (roter/goldener Samtvorhang, Plüschbestuhlung), mit dem Kinoerlebnis an sich.

Bildet der Zuschauerraum des „Corso“ als ehemaligem „Hauptstraßen-Kino“ also einerseits den Aufstieg (von den Anfängen bis zum Abriß des ursprünglichen Gebäudes), die Hoch-Zeit (Wiedereröffnung im vergrößerten Neubau) und den Verfall (Inbesitznahme des Saals zwecks Erfüllung profanerer Bedürfnisse) dieses „Identifikationsraumes“ ab, gipfelnd in einer bilderstürmerisch anmutenden Verwüstung (die Lautsprecher der eigens für die Verbreitung des Tonfilms gegründeten, Firma Klangfilm mit noch verbliebenen Stuhlreihen aufeinander gestapelt, der Kasch zerfetzt, die Leinwand zerrissen), so steht der Vorführraum für das Ausblenden der diesen Identifikationsraum eigentlich erst bedingenden Projektionstechnik. Eingekapselt im Inneren des modernen Wohn- und Geschäftshauses erstreckte sich ein verzweigtes fensterloses Labyrinth teils „verbotener“ Räume (Batterieraum der Notstromanlage mit offenen Blei-Schwefelsäure-Batterien, Gleichrichterraum gesichert mit Gittertür und Kette), das auf die damaligen Vorführer schon klaustrophobisch gewirkt haben muß. Innerhalb dieses blieb die Technik im laufenden Kinobetrieb vor der Aussenwelt verborgen, aber auch geborgen vor Zerstörung oder Zerstreuung nach dessen endgültiger Schließung.

Als ob der Kinotechniker es gerade dort vergessen hätte.... So lag das Rollmaßband Firma KIWE Köln 30 Jahre lang im Gleichrichterraum. Sorry, your browser does not support inline SVG.

Verborgen war auch der einstige Glanz der Maschinen unter Schichten von Nikotin und Teer, die den charakteristischen blauen Bauer-Hammerschlaglack grün-braun verfärbte (die Vorführer hatten die Projektorstandfüße als gigantische Aschenbecher mißbraucht). Dennoch wahrte die im Originalzustand von 1958 erhaltene Anlage ihr ästhetisches Gesamtkonzept, unberührt von Ökonomie und Effizienz geschuldeten Umbauten (Automatisierung, Armverlängerung zur Aufnahme von Großspulen, Anpassung an Umlenksysteme für Turm- und Tellerbetrieb etc.), die die Arbeit des Vorführenden erleichtern kann, ihn aber auch der Technik entfremdet. In diesem Sinne stellt der digitale Projektor die Vervollkommnung dieses Entfremdungsprozesses dar, eine „Black Box“, der der Vorführende im Fehlerfall meist hilflos gegenüber steht.

Ist-Zustand
Alles ist abgebaut und in mehreren Lagern verstaut.

Heute erleben wir die unreflektierte Fortschreibung der Trennung von Publikum und Technik in der vielfach praktizierten Wiederbelebung der Prachtsäle als „nostalgische Hülle“ für eine austauschbare, in der heutigen Zeit digitale, Projektionsapparatur. Die authentischen Projektionsgeräte der großen Kinozeit stehen, wenn sie nicht verschrottet wurden, in Kinomuseen (manchmal lauffähig aufgebaut, aber selten wirklich laufend), oder als Schauobjekte in Kinofoyers. Dort, wo sie vereinzelt noch in öffentlichen Kinos laufen, sind sie aus Desinteresse, Unkenntnis oder Mangel an Technikern schlecht gewartet, werden oft von Vorführern bedient, die keine Chance mehr hatten, ihr Handwerk richtig zu erlernen. Die daraus resultierenden Mängel in der Projektion werden meist einer, vermeintlich durch die Zeitläufte obsolet gewordenen Projektionstechnik zugeschrieben.

Der Fundzustand des Corso-Kinos kehrt dieses Prinzip um:
„der Saal als das Offenbare zerstört, die Technik als das Verborgene geborgen“, daraus ist das CineCorsoCologne-Projekt entstanden. Die im doppelten Sinn verborgene, im doppelten Sinn geborgene Projektionstechnik soll, restauriert, gereinigt und in neuen Räumen wieder aufgebaut, zu einem Kursus in klassischer Kinotechnik einladen, der jedem Interessierten die Möglichkeit gibt,

Wr verstehen uns dabei explizit als ein generationsübergreifendes Projekt und würden uns freuen, pensionierte KinotechnikerInnen VorführerInnen zu gewinnen um ihr Wissen im Rahmen dieses Projektes zu bergen und zu erhalten.

Programm

Zeigen wollen wir genreübergreifend alles, was (noch oder vielleicht nur noch) in analoger Form zur Verfügung steht, auch Wochenschauen, Kulturfilme, Dokumentationen.

Rechtsform, Ort

Wir wollen auf diesem Weg Unterstützung für dieses Projekt gewinnen. Angedacht ist die Gründung eines gemeinnützigen Vereins.

Da wir die ursprünglichen Räume nicht nutzen können, suchen wir geeignete Räume bevorzugt in Köln. Wichtig wäre es für uns, die heute oft vernachlässigten Grundvoraussetzungen wie z.B. die richtige Erdung des Vorführraums und die Anpassung der heute überwiegend eingesetzten LED-Notbeleuchtung auf Kinobetrieb mittels spezieller Dimmerschaltung (der sogenannten Kino-Schaltung) mit den Verantwortlichen abstimmen zu können. (Den Batterie- und Technikraum der Corso-Anlage würden wir, so weit es der Platz erlauben würde, zu Anschauungszwecken wieder komplett aufbauen).

Wer sich jetzt angesprochen fühlt, dieses Projekt schon in seiner Gründungsphase zu begleiten, bzw. eine Idee für geeignete Räume hat oder uns diese zur Verfügung stellen möchte, melde sich gerne bei der unter ‚Kontakt‘ hinterlegten Adresse.

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